2026-01-11 | Rutschfest? Leider nein. Legendär? Auf jeden Fall! – Der 1. Spieltag der 2. Bundesliga Nord in Wiednitz

Wiednitz, Samstagabend, 10. Januar 2026, 18:00 Uhr.
Die Halle ist voll, rund 450 Zuschauer haben sich versammelt, die Bratwurst riecht verdächtig gut und irgendwo quietschen Turnschuhe, die verzweifelt versuchen, Halt zu finden. Willkommen zum 1. Spieltag der 2. Bundesliga Nord – willkommen in Wiednitz.

Die verspäteten Groupies

Während der erste Ball bereits rollt, passiert auf der Autobahn noch etwas ganz anderes: Mark und Flo vom RC Liemehna 1919 e.V. starten erst gegen 18:00 Uhr in Leipzig. Voller Optimismus, mit dem Gedanken „Ach, das wird schon“, nehmen sie den langen Weg auf sich – schließlich spielt der KSC Leipzig 1.

Das Ergebnis dieser gewagten Zeitplanung: Ankunft gegen 19:30 Uhr. Zu spät für den Turnierbeginn, aber genau rechtzeitig, um mit frischen Stimmen und maximaler Lautstärke das Spielgeschehen zu kommentieren. Ab diesem Moment war klar: Die Halle ist komplett.

Zwei Typen, ein Plan – und ein sehr rutschiger Boden

Im Mittelpunkt des Abends standen jedoch zwei andere: Kay Fritsche und Lenny Schwarzbauer. Erstmals gemeinsam in einer Saison, erstmals gemeinsam in der 2. Bundesliga – ein Duo zwischen Erfahrung und Premierenfieber.

Kay Fritsche ist das, was man einen alten Hasen nennt. Mehrere Zweitliga-Saisons, eine Ruhe, die selbst das Hallenlicht zu dimmen scheint. Kay steht im Tor wie ein Möbelstück, das man nicht mehr verrücken kann. Spielzüge des Gegners? Hat er gesehen, bevor sie überhaupt gedacht wurden.

Daneben Lenny Schwarzbauer. Erstes Herrenjahr. Erste Herren-Bundesliga. Und dann gleich zweite Liga. Im Deutschlandkader in der Jugend, große Erfolge mit Paul Bretschneider, Lorbeeren ohne Ende – aber Herrenradball ist eben kein Jugendturnier. Herrenradball ist schneller, härter und in Wiednitz vor allem: glatter.

Auch Paul Bretschneider war an diesem Abend in Wiednitz vertreten – gemeinsam mit Oliver Uhlirsch für den Tollwitzer RSV 1. Für Paul ist es, genau wie für Lenny, die erste Saison im Herrenbereich, ebenfalls direkt in der 2. Bundesliga. Nach vielen gemeinsamen Erfolgen in der Jugend kam es so zu einem kurzen Wiedersehen alter Weggefährten auf Bundesliganiveau. 

Sportlich auf Augenhöhe – akrobatisch auf dem Boden

Sportlich schlugen sich Kay und Lenny mehr als ordentlich. In allen Spielen mindestens gleichwertig, kämpferisch voll da, taktisch sauber. Was noch fehlte, waren die Automatismen. Abstimmung, Laufwege, das berühmte „Ich weiß, was du vorhast“.

Und dann war da dieser Boden. Pässe rutschten, Schüsse versprangen, und mancher Angriff endete eher im artistischen Bereich als im Torabschluss.

Nach dem Turnier analysierte Lenny die Lage messerscharf:

„Auf einem rutschigen Boden wie in Wiednitz ist ein platzierter Schuss nur sehr schwer möglich.“
– Lenny Schwarzbauer

Diese Aussage wurde in der Halle mit wissendem Nicken aufgenommen – auch die Gegner hatten ihre liebe Mühe.

Zahlen, Tore und ein bisschen Drama

Ein Blick auf die Ergebnisse zeigt, wie eng und umkämpft der Spieltag war. Viele Partien wurden erst in den letzten Minuten entschieden, andere endeten leistungsgerecht unentschieden. Der KSC Leipzig 1 erwischte dabei einen wechselhaften Abend: Einer knappen 3:5-Niederlage gegen Gastgeber Wiednitz folgte ein starker 5:4-Erfolg gegen die SG Lückersdorf 1, der zeigte, welches Potenzial im neuen Duo steckt. In den weiteren Begegnungen fehlte oft nur die letzte Konsequenz im Abschluss – so gingen die Spiele gegen RSV Großkoschen 3 (2:4) und RSV Großkoschen 2 (2:4) verloren. Insgesamt spiegeln die Ergebnisse wider, was auch auf dem Spielfeld zu sehen war: Der KSC Leipzig 1 war in allen Spielen konkurrenzfähig, ließ jedoch noch die nötige Effizienz vermissen. Ein Eindruck, der Hoffnung auf die kommenden Spieltage macht.

Wiednitz liefert ab

Abseits des Spielfelds zeigte sich Wiednitz von seiner besten Seite:

  • hervorragende Organisation

  • erstklassige Verpflegung

  • Live-Video-Übertragung

  • eine Halle, die bis auf den letzten Platz gefüllt war

Samstagabend-Bundesliga vom Feinsten.

Fazit

Der 1. Spieltag der 2. Bundesliga Nord in Wiednitz war:

  • sportlich anspruchsvoll

  • atmosphärisch großartig

  • bodentechnisch… ausbaufähig

Kay und Lenny haben gezeigt, dass sie in diese Liga gehören. Die Abstimmung wird besser, die Nervosität verschwindet, die Tore kommen. Und Mark und Flo? Die traten spät am Abend die Heimreise an – heiser, zufrieden und mit der Erkenntnis: Auch verspätete Groupies können entscheidend sein.

Fortsetzung folgt. Hoffentlich mit etwas mehr Grip unter den Reifen.

Euer RC Liemehna 1919 e.V. 💛